Hat das Pferd noch einen Platz in unserer Gesellschaft?
Denkmalschutz – einmal anders gedacht

Der Mehrwert der Pferde 

Über Generationen hinweg haben Reitmeister, Ausbilder:innen und Pferdemenschen beschrieben, welchen Einfluss Pferde nicht nur auf das Reiten, sondern auch auf die Entwicklung des Menschen haben. Viele ihrer Gedanken sind heute aktueller denn je und zeigen, dass der Umgang mit Pferden weit über Sport oder Freizeit hinausgeht. 

Hans-Heinrich Isenbart formulierte unter anderem folgende Worte:

 

„… dass Pferdeliebe und Passion aus jener Zeit gewachsen sind, da man ohne Pferde nicht leben konnte, hinein in eine Zeit, in der man das Pferd zum Leben nicht mehr braucht -- wenn man denn ein altes, unendlich wertvolles Kulturgut entbehren will … Denn ein großer Teil der Menschheitsgeschichte lag auf dem Rücken der Pferde … und: Eine Brücke zu schlagen vom einst zum jetzt. Das scheint gerade dort notwendig zu sein, wo es um Werte geht, für die es keinen Denkmalschutz gibt. … Und bemerken wir auch, dass das, was mit dem Pferd verloren ging, ein Stück Humanität ist?
… Das einst Selbstverständliche aber muss heute gezielt gelehrt und gelernt werden. Eigenschaften und Fähigkeiten, die letztlich für den Umgang mit Menschen genauso notwendig sind wie für den Umgang mit Pferden. Und darum ist und bleibt der Umgang mit Pferden eine Schule der Menschlichkeit. Ist es und bleibt es. Denn wer gelernt hat, mit dem Pferd umzugehen, hat ein gutes Stück Erziehung an sich selbst gemacht.“


Isenbart, H.-H. (2007): Festrede zur Ausstellung „275 Jahre Trakehnen Mythos im Zeichen der Elchschaufel“ 29. März 2007 in Verden. In: www.trakehner-verband.de/wp-content/uploads/2017/09/rede.pdf, 23.11.2024.

 

 

Die traditionsreiche „Heeresdienstvorschrift 12“ (H.Dv.12), welche zur Ausbildung von Pferden für militärische Zwecke erarbeitet wurde, sagt schon in ihrer Einführung, dass die Ausbildung von Pferden nur von dauerndem Erfolg sein wird, wenn alle (Vorgesetzte und Untergebene) von der Freude am Reiten und der Liebe zum Pferde beseelt sind.
 
von Ziegner, K. A., Heuschmann, G. (2017): Die kommentierte H.DV.12: Das Regelwerk der Reitkultur neu erklärt. Kosmos Verlag, Stuttgart.

 

Major a.D. P. Stecken weist auf einen weiteren wichtigen Aspekt im Umgang mit Pferden hin:

 

„Wenn man in der Reiterei Grundsätzliches verbessern oder korrigieren möchte, dann sollte man nach einem wohlüberlegten, alten Grundsatz vorgehen, der sich immer bewährt hat und lautet: So gerecht wie möglich – so wohlwollend wie möglich, aber so konsequent wie nötig.“

 

Stecken, P. (2015): Bemerkungen und Zusammenhänge: Erkenntnisse eines Pferdemannes. FN-Verlag, Warendorf.

 

 

Oberst a.D. von Ziegner schreibt in seinen Kommentaren zur H.Dv.12:

 

„Jeder Ungehorsam hat seine Vorgeschichte. Diese ehrlich zu bekennen und an sich selbst zu arbeiten, ist der beste Weg, einmal ein REITER zu werden. Diese alte Weisheit hat sich immer wieder bestätigt: Das Schwerste am Reiten ist die Arbeit an sich selbst“.
 

von Ziegner, K.A., Heuschmann, G. (2017): Die kommentierte H.DV.12: Das Regelwerk der Reitkultur neu erklärt. Kosmos Verlag. Stuttgart.

 

 

Die FN-Richtlinien Band 1 betonen, dass das Reiten nicht nur Tierliebe und Einfühlungsvermögen erfordert, sondern auch Geduld, Selbstbeherrschung, Fairness und Disziplin verlangt und diese Eigenschaften durch den Umgang mit dem Pferd gefördert werden.
 

Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (Hrsg.) (2023): Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1: Grundausbildung für Reiter und Pferd. 34. Aufl. FN-Verlag, Warendorf.

 

 

Waldemar Seunig hebt in seinem Buch „Von der Koppel bis zur Kapriole“ hervor: 

 

„Denkende Reiter suchen nach Möglichkeiten, auf Grund neuer Methoden, die aber durchaus auf bewährten alten Grundsätzen beruhten, bessere Erfolge zu erzielen.“

 

Seunig, W. (2007): Von der Koppel bis zur Kapriole. 3. ND Olms Verlag, Hildesheim.